Talfahrt setzt sich fort

Die Stimmung der bayerischen Wirtschaft hat sich merklich abgekühlt. Das langsamere Wachstum der Weltwirtschaft, politische Unsicherheitsherde wie der Zollkonflikt zwischen den USA und China, der Brexit oder Risiken in der Automobilindustrie dämpfen das Herz der bayerischen Wirtschaft – die Industrie. Aber auch die Boom-Branche, die Bauwirtschaft, ist mit weniger Schwung als in den Vorjahren in den Frühling gestartet. Zur weiteren Expansion fehlen der Branche vor allem Fachkräfte. Recht stabil ist die Stimmung hingegen unter den Dienstleistern und im Einzelhandel. Auch mittelfristig gehen die Unternehmen von einem schwächeren Wachstum aus. Ihre Investitions- und Beschäftigungspläne wollen sie daher weniger stark ausweiten.

 

Gemessen am BIHK-Konjunkturindex ist die Stimmung der bayerischen Wirtschaft von 128 auf 124 Punkte gesunken. Zum Jahresbeginn 2018, dem bisherigen Höhepunkt des aktuellen Konjunkturzyklus, besteht mittlerweile eine Lücke von 12 Indexpunkten. Dies ist der stärkste Rückgang seit der Eurokrise im Jahr 2011/12. Die Unternehmen sind mit ihrer aktuellen Geschäftslage unzufriedener als zu Jahresbeginn: Der Saldo aus positiven und negativen Lageurteilen sinkt von 50 auf 43 Punkte. Im langfristigen Vergleich ist dies ein deutlicher Rückgang, allerdings auch kein Krisenwert: Im Rahmen der Finanzkrise ist die Geschäftslage in der Spitze zwischen Herbst 2008 und Jahresbeginn 2009 um 19 Zähler abgestürzt. Der Rückgang der Lageurteile deutet damit auf eine Wachstumsverlangsamung, nicht jedoch auf eine scharfe Rezession hin. Dies zeigt sich auch daran, dass noch immer rund jedes zweite Unternehmen seine Geschäftslage als „gut“ bezeichnet und weniger als jedes zehnte ein negatives Votum abgibt. Auch in den kommenden zwölf Monaten dürfte die bayerische Wirtschaft immer noch – wenn auch schwach – wachsen bzw. stagnieren, denn die Unternehmen haben ihre Erwartungen nochmals leicht reduziert: Rund jedes fünfte Unternehmen rechnet mit einem Geschäftsplus, 14 % der Betriebe befürchten allerdings eine Eintrübung. Mit 7 Punkten liegt der entsprechende Saldo auf dem niedrigsten Stand seit 2013, jedoch noch immer knapp im Plus.