Bayerische Wirtschaft überwindet den Corona-Schock

Das Stimmungsbarometer der bayerischen Wirtschaft – der BIHK-Konjunkturindex – ist von 81 auf 107 Punkte angestiegen. Der als geometrisches Mittel aus Lageurteilen und Geschäftserwartungen ermittelte Indikator hat damit 70 % seines Corona bedingten Einbruchs aufgeholt.

Mit dem Ende des Lockdowns konnten die meisten Branchen ihre Geschäftstätigkeit schrittweise hochfahren. Begleitet von massiven staatlichen Unterstützungsmaßnahmen und einer kräftigen Erholung insbesondere Chinas, des Handelspartners Nummer zwei, gelang der Neustart. Dies spiegelt der starke Anstieg der Geschäftslage von -18 Saldenpunkten auf +9 Punkte wider. Die anfänglichen Befürchtungen - eine zu starke Abhängigkeit und fragile internationale Lieferketten würden ein schnelles Hochfahren verhindern - haben sich damit nicht bewahrheitet.

Die Unternehmen rechnen allerdings nur mit einem geringen Wachstum in den kommenden Monaten: Zwar haben sie ihre Geschäftserwartungen per Saldo von -20 auf + 5 Punkte ebenfalls sehr kräftig angehoben. Im Vergleich zur Lagebewertung sowie zu früheren Erholungen nach Rezessionen liegt der Saldo jedoch auf einem niedrigen Niveau.

Dies hat folgende Gründe: In einzelnen Branchen wie insbesondere im Hotel- und Gastgewerbe, der Kulturwirtschaft oder der Reisebranche ist die Geschäftstätigkeit aufgrund von anhaltenden Beschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus weiterhin stark limitiert (90 %-Ökonomie). Zudem dämpfen strukturelle Herausforderungen (Abkehr vom Verbrennungsmotor, Digitalisierung, Fachkräftemangel, Verschlechterung der Wettbewerbsfähigkeit) das Wachstumspotenzial. Darüber hinaus ist die Unsicherheit nicht nur in Bezug auf die Corona-Pandemie außerordentlich hoch, sondern auch mit Blick auf die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (Bürokratie, Brexit, schwelender Handelsstreit zwischen China / USA / EU).

Aufgabe der Wirtschaftspolitik muss es sein, die Erholung zu stützen und den Strukturwandel
zu fördern. Dabei sollte das Motto gelten: Veränderung belohnen, nicht den Stillstand. Damit die Unternehmen den notwendigen Wandel gestalten können, brauchen sie entsprechende finanzielle Möglichkeiten. Um den Rückgang des Eigenkapitals besser abfedern zu können, sollten die Unternehmenssteuern gesenkt und der Verlustrücktrag ausgeweitet werden.