Starke Erholung in Sicht

Er erreicht damit erstmals wieder das Niveau vor der Krise und liegt leicht oberhalb seines langjährigen Durchschnitts. Das ist das Ergebnis der Frühjahrs-Konjunkturumfrage des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags (BIHK). Rund 3.900 Unternehmen im Freistaat nahmen an der Erhebung teil. Während des ersten Lock-down vor einem Jahr war der Index in einem historischen Absturz auf 81 Punkte gefallen.

„Aktuell bewerten 40 Prozent der Unternehmen ihre Geschäftslage als gut, nur 22 Prozent als schlecht. Zurück in der Erfolgsspur ist vor allem die bayerische Industrie, die für rund ein Viertel der Bruttowertschöpfung steht und damit unser stärkster konjunktureller Motor ist“, sagt BIHK-Hauptgeschäftsführer Manfred Gößl. „Eine leichte Frühlingsbelebung meldet auch das Baugewerbe. Im Großhandel und bei den unternehmensnahen Dienstleistern geht es ebenfalls überwiegend aufwärts. Demgegenüber liegen die bislang unter Dauer-Lockdown stehenden Branchen Tourismus, Hotels und Gaststätten, Reisebüros und Reiseveranstalter, Veranstaltungswirtschaft und Indoor-Sportanbieter weiterhin am Boden. Jedoch schauen sie dank der zunehmenden Öffnungsperspektiven erstmals wieder optimistischer in die Zukunft“, so Gößl. Einzig im stationären Einzelhandel mit nicht-essenziellen Sortimenten bleiben die pessimistischen Stimmen klar in der Mehrheit, während Onlinehändler wohl dauerhaft von der Krise profitieren werden.

Mit besseren Geschäften in den kommenden Monaten rechnen 27 Prozent der Betriebe, dagegen 17 Prozent mit einer Eintrübung. „Die Zeichen stehen dank sinkender Inzidenzzahlen und optimistischer Öffnungsperspektiven gut, dass sich die Erholung weiter beschleunigen wird und auch die aktuell in der Krise befindlichen Branchen erfasst. Ein kräftiger Konsumschub ist zu erwarten, weil die Sparquoten auf historisch hohem Niveau liegen und der Arbeitsmarkt sowie die Einkommen vieler Arbeitnehmer auch in der Pandemie stabil geblieben sind“, so Gößl weiter. Von diesem Nachholeffekt dürften beispielsweise Hotellerie und Gastronomie stark profitieren.

Unter den Geschäftsrisiken entwickeln sich steigende Energie- und Rohstoffpreise mit größter Dynamik zum Sorgenkind. Branchenübergreifend sehen 40 Prozent aller Unternehmen in Bayern darin ein großes Risiko, doppelt so viele wie noch vor einem halben Jahr. Jedes zweite Industrieunternehmen berichtet von Lieferproblemen. Die Engpässe ziehen sich durch fast alle Industriezweige. Im Fahrzeugbau, in der Chemie, der Medizin- und Elektrotechnik, der Gummi- und Kunststoffbearbeitung melden jeweils sogar rund 70 Prozent der Unternehmen Lieferprobleme. Ähnlich angespannt wie in der Industrie ist die Situation im Baugewerbe, wo sich wichtige Materialien wie Holz, Zement, Frischbeton, Kies und Sand sowie Betonstahl rasant verteuern.
Auch der Fachkräftebedarf steigt angesichts anziehender Nachfrage wieder an: 48 Prozent aller befragten Unternehmen nennen den Fachkräftemangel als Risiko. Erstmals seit einem Jahr zeigt auch der Saldo der Beschäftigungspläne keinen Abwärtstrend an: 18 Prozent der Unternehmen möchten Personal einstellen, ebenso viele Stellen strei-chen. Der bayerische Arbeitsmarkt stabilisiert sich daher weiter.

BIHK-Präsident Eberhard Sasse fordert die Politik auf, der Wirtschaft den Weg aus dem Corona-Tal frei zu machen und keine zusätzlichen Steine in den Weg zu legen: „Wir brauchen noch deutlich mehr Anstrengungen beim Impfen und Testen für ein sicheres und zuverlässiges Durchstarten in vielen Branchen. Dringend notwendig ist ein Ende des nur an Inzidenzwerten orientierten Öffnungs-Wirrwarrs, der den Unternehmern noch viele schlaflose Nächte bereiten wird.“ Die staatlichen Unterstützungsprogramme für geschlossene Branchen müssten zudem solange fortgesetzt werden, bis die betroffenen Betriebe und Selbstständigen wieder ohne Beschränkungen arbeiten können.

Mit Blick auf den internationalen Wettbewerb fordert Sasse niedrigere Strompreise, um negative Auswirkungen der aktuellen Pläne für steigende CO2-Preise abzufangen. „Deutsche Industriestromkunden zahlen im internationalen Vergleich die höchsten Strompreise – dies ist gerade mit Blick auf Zukunftstechnologien wie Batteriefertigung und die Digitalwirtschaft ein standortpolitisches Eigentor.“ Je steiler der Pfad der CO2-Einsparung politisch festgelegt wird, desto stärker müsse der Strompreis fallen. Außerdem brauche der Standort Deutschland ein Fitnessprogramm: „Mit wettbewerbsfähigen Unternehmenssteuern, Investitionen in Digitalisierung, Bildung und Infrastruktur müssen jetzt die Voraussetzungen geschaffen werden, dass unternehmerischer Mut und Eigenverantwortung wieder voll zum Tragen kommen können. Nur so wächst der Wohlstand in unserer Gesellschaft und nur so gibt es auch in Zukunft dank einer leistungsfähigen Wirtschaft sprudelnde Steuereinnahmen, damit der Staat seinen Aufgaben nachkommen, aber auch die Corona-Schulden begleichen kann“, sagt der BIHK-Präsident.