Fulminanter Start ins Jahr der Entscheidungen

Die konjunkturelle Entwicklung hat weiter an Stabilität gewonnen, denn sowohl im Inland als auch im Ausland hat die Nachfrage zugenommen. Dies sorgt für beste Laune bei den Unternehmen: 52 % bezeichnen ihre aktuelle Lage als „gut“ und nur 6 % sind unzufrieden.

Per Saldo klettert die Bewertung auf den höchsten Stand seit 24 Jahren – dem Beginn der BIHK-Konjunkturumfrage 1993. In den vergangenen sechs Monaten hat die Nachfrage aus dem Inland spürbar zugenommen. Höhere Einkommen, mehr Beschäftigung und weiterhin günstige Zinsen sorgen für Kauflaune bei den privaten Haushalten. Hauptprofiteur ist das Baugewerbe, denn zusätzlich drängen Kapitalanleger in den Rendite und Sicherheit versprechenden deutschen Immobilienmarkt.

Deutlich angezogen haben die Geschäfte in der Industrie sowie im Großhandel. In allen wichtigen Exportdestinationen wurden bayerische Güter und Dienstleistungen rege nachgefragt. Mehr absetzen konnten die Unternehmen insbesondere in China und Nordamerika. Aber auch innerhalb des europäischen Binnenmarktes waren bayerische Waren stark nachgefragt. Das Startniveau für das Jahr 2017 ist damit äußerst hoch. Dies zeigt der Konjunkturbericht der bayerischen IHKs zum Jahresbeginn 2017 (rechts zum Download).

Ausblick

Obwohl die politischen Unwägbarkeiten aus Sicht der bayerischen Unternehmen beträchtlich sind, blicken sie mit viel Optimismus auf die eigene Geschäftsentwicklung in den kommenden zwölf Monaten: Rund ein Viertel der Unternehmen rechnet für 2017 mit einer weiteren Geschäftsverbesserung und nur jedes zehnte mit einer Eintrübung. Per Saldo steigen die Erwartungen von 13 auf 16 Punkte. Damit kann mit einem ähnlich hohen Wachstum wie 2016 gerechnet werden. Zugleich machen sich die Unternehmen wenig Sorgen, dass die Nachfrage abrupt einbrechen könnte: Nur einmal in den vergangenen knapp sieben Jahren war der Anteil der Betriebe, die einen Einbruch der In- und Auslandsnachfrage als Geschäftsrisiko benannten, geringer als jetzt. Die Unternehmen schätzen damit die reinen geschäftsbedingten Aussichten für das Jahr 2017 recht stabil ein.

Risiken

Der Fachkräftemangel bleibt Risiko Nummer eins für die bayerischen Unternehmen – bei jedem zweiten Betrieb gefährdet er die Geschäftsentwicklung.

Ein neues Höchstmaß an Risiko geht von den aktuellen politischen Entwicklungen aus: 49 % der bayerischen Unternehmen sehen in den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen ein Geschäftsrisiko.

Auf der Weltbühne sorgt der neue und unkalkulierbare Kurs der US-Regierung für Unruhe. Die bayerische Wirtschaft ist betroffen, denn einerseits sind die USA der wichtigste Exportmarkt, andererseits können angekündigte protektionistische oder den Freihandel hemmende Maßnahmen die derzeit praktizierte weltweite Arbeitsteilung ins Wanken bringen.

Politische Risiken existieren jedoch auch für den europäischen Binnenmarkt: Mit dem Brexit müssen die Handelsbeziehungen zu Bayerns zweitwichtigstem Exportland neu geregelt werden.

Wirtschaftspolitische Forderungen

Internationale Arbeitsteilung und Freihandel tragen in erheblichem Umfang zur Sicherung unseres Wohlstands bei. Für die Politik muss der Erhalt des europäischen Binnenmarkts und des Freihandels oberste Priorität haben. Ein möglichst weitgehender Binnenmarktzugang Großbritanniens ist klar im Interesse der bayerischen Wirtschaft.

Die Digitalisierung wird betriebliche und gesellschaftliche Strukturen neu ordnen. Fest steht, die Arbeit der Zukunft wird vernetzter, digitaler und flexibler werden. Um erfolgreich diesen Wandel zu meistern, brauchen wir eine Politik, die auf Eigenverantwortung setzt und Freiräume schafft. Hierzu muss das Arbeitsrecht modernisiert und digitale Kompetenzen frühzeitig vermittelt werden. Auch eine stärkere Förderung von Forschung und Entwicklung helfen bei der Transformation ins digitale Zeitalter.

Des Weiteren brauchen wir ausländische Fachkräfte – zur Linderung des Fachkräftemangels und zum Import von Know-how. Damit dies gelingt, muss Deutschland eine offene Willkommenskultur leben. Ausländerfeindliche Parolen und Nationalisierungstendenzen sind daher für die bayerische Wirtschaft ebenso schädlich wie Protektionismus und Beschränkungen des Freihandels.