Konjunktursteilpass für die neue Bundesregierung

Die konjunkturellen Rahmenbedingungen waren zu Beginn einer Legislaturperiode wie jetzt im Herbst 2017 noch nie besser, seit die bayerischen IHKs 1993 mit der Konjunkturumfrage begonnen haben. Wie gut die Stimmung im Unternehmerlager ist, zeigt der BIHK-Konjunkturindex, in dem Lageurteile und Erwartungen der Unternehmen in einem Wert zusammengefasst sind: Mit 132 Punkten erreicht der Indikator annähernd seinen bisherigen Rekord von 136 Punkten. Getragen wird die Stimmung von einer robusten Nachfrage aus dem Inland. Die privaten Haushalte konsumieren viel, denn sichere Arbeitsplätze, steigende Einkommen und günstige Zinsen versetzen sie in Ausgabenfreude.

Finanzielle Spielräume hat auch der Staat, die Steuereinnahmen sprudeln und die Zinslasten sind angesichts der ultralockeren Geldpolitik niedrig. Auch die Nachfrage aus dem Ausland hat zugenommen. Davon können die bayerischen Unternehmen dank ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit profitieren.

Wie gut die aktuelle Situation der Unternehmen ist, verdeutlichen die Lageurteile bei der Umfrage zur Konjunktur: 58 % der bayerischen Betriebe bezeichnen ihre Geschäftslage als „gut“, nur 5 % sind unzufrieden. Dies ist ein neuer (Zufriedenheits-)Rekord.

Ausblick auf die Wirtschaftslage in Bayern

Für die kommenden zwölf Monate bleiben die Aussichten gut. Knapp ein Viertel der bayerischen Unternehmen rechnet mit einer Verbesserung, weniger als jedes zehnte mit einer Verschlechterung seiner Geschäftsentwicklung.

Blickt man zum Vergleich auf die Frühjahrswerte, ist der Optimismus gesunken. Dies ist vor allem auf jahreszeitliche Einflüsse zurückzuführen. Von der Witterung abhängige Branchen senken üblicherweise ihre Prognosen vor dem Winterhalbjahr.

Betrachtet man hingegen die Vorjahreswerte, so zeichnet sich für 2018 eine ähnlich gute konjunkturelle Entwicklung ab wie für das laufende Jahr. Angesichts dieser guten Geschäftsperspektiven wollen die Unternehmen ihre Investitionstätigkeit in ähnlichem Umfang ausweiten wie bisher. Auch die Aussichten für den bayerischen Arbeitsmarkt bleiben günstig: 20 % der Unternehmen möchten zusätzliches Personal einstellen, nur 10 % Stellen streichen. Ob dieser Stellenaufbau gelingt, ist fraglich, weil sich der Fachkräftemangel nochmals verschärft hat.

Risiken für die Konjunktur in Bayern im Herbst 2017

  • Der Fachkräftemangel bleibt für die bayerische Wirtschaft die größte Wachstumsbremse. Im Vergleich zum Frühjahr hat sich die Situation weiter verschärft: 59 % sehen im Mangel an Fachkräften ein Risiko für ihr Unternehmen. Besonders angespannt ist die Situation im bayerischen Baugewerbe: Für 90 % der Unternehmen ist hier der Mangel an Fachkräften ein Geschäftsrisiko. Stark betroffen sind aber auch der Tourismus, der Fahrzeug- und Maschinenbau, der Bereich der IT-Dienstleistungen sowie Verkehr und Lagerei.
  • Die wirtschaftspolitischen Risiken sind gesunken. Aktuell sehen 40 % der Unternehmen hier eine Gefahr für das eigene Unternehmen. Dies ist der niedrigste Stand seit Frühjahr 2012. Im Frühjahr nannten noch 30 % der bayerischen Unternehmen den Brexit als Risiko, nun sind es 20 %. Auch die Angst von Protektionismus hat etwas nachgelassen. Sahen hierin zuletzt 37 % der Unternehmen ein Geschäftsrisiko, sind es nun „nur“ noch 29 %.Die Umfrage wurde unmittelbar vor der Bundestagswahl abgeschlossen. Eine langwierige und schwierige Regierungsbildung dürfte die Unsicherheit im Unternehmerlager erhöhen.