Recycling

„Sekundärrohstoffe sind bei Metallen die einzig nennenswerte heimische Rohstoffquelle Deutschlands.“ Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Fraunhofer ISI und der IZT GmbH aus dem Jahr 2009. Wobei die wirtschaftliche Bedeutung von Sekundärrohstoffen, also recycelten Materialien nicht allein auf Metalle beschränkt ist. Längst gehören Produkte aus Sekundärrohstoffen zum Alltag, man denke nur an Altpapier/ Papier. Der Begriff „Recycling“ beschreibt eine hochwertige stoffliche Wiederverwertung von Abfällen. Das Kreislaufwirtschaftsgesetz, welches am 1. Juni 2012 in Kraft getreten ist, definiert den Begriff folgendermaßen: „Recycling […] ist jedes Verwertungsverfahren, durch das Abfälle zu Erzeugnissen, Materialien oder Stoffen entweder für den ursprünglichen Zweck oder für andere Zwecke aufbereitet werden […].“ Das Recycling ist damit zu unterscheiden von der energetischen Verwertung von Abfällen oder der stofflichen Verwertung zur Verfüllung oder für den Straßenbau.

 

Recyclingquoten
Recycling fängt schon beim Abfallerzeuger an. Betrachtet man den Hausmüll oder hausmüllähnlichen Gewerbeabfall genauer, so sind die Recyclingquoten bei getrennt gesammelten Stoffen besonders hoch. So werden Glas und Papier zum Beispiel zu fast 100 Prozent recycelt. Restmüll dagegen wird hauptsächlich energetisch verwertet oder thermisch beseitigt. Die Recyclingquote beträgt hier nur 8 Prozent. Weiterhin geht aus der Abfallbilanz 2012 des Statistischen Bundesamtes hervor, dass auch nicht-gefährliche Bau- und Abbruchabfälle zu über 90 Prozent zu RC Baustoffen wiederverwertet werden. Dies geschieht teilweise direkt auf der Baustelle. Längst ist aus dem Müll eine lukrative Einnahmequelle für die Recyclingindustrie geworden. Nach dem Motto „Geld stinkt nicht“ ist das Wiederverwerten von Abfällen vor allem gesamtwirtschaftlich lukrativ. Technische Anlagen für das Recycling werden aus Deutschland in die ganze Welt exportiert. Und nach einer Studie im Auftrag des Umweltbundesamts würden ohne die Verwertung von Stahl, Kupfer, Gold und ausgewählten Kunststoffen als Sekundärrohstoff jährlich rund 256 Millionen Tonnen Primärrohstoffe zusätzlich benötigt; also auch abgebaut bzw. hergestellt werden.
 
Sekundärrohstoffe als wesentliche Rohstoffquelle
Im Jahr 2010 haben, Angaben des BDE zufolge, Sekundärrohstoffe rund 14 Prozent des Rohstoffbedarfs der deutschen Industrie decken können. Der Anteil soll steigen, das Bewusstsein wächst.  Wie eine Auswertung der IHK-Recyclingbörse für das Jahr 2011 zeigt, haben fast 35 Prozent mehr Unternehmen nach recycelfähigem Material gesucht als im Jahr 2010. Demgegenüber steht eine Zunahme von rund 38 Prozent bei den Material-Inseraten.
Bei dieser überbetrieblichen Online-Börse können Unternehmen kostenlos verwertbare Abfälle und Produktionsrückstande anbieten bzw. nachfragen. Das Recycling ist also sowohl aus Umweltsicht als auch aus ökonomischer Sicht sinnvoll. Um die Wertstoffströme zu erweitern und mehr recyclingfähige Materialien aus dem Restmüll herauszuziehen ist aktuell eine Debatte um die Einführung einer Wertstofftonne entbrannt. Das Bundesumweltministerium hatte mehrere Studien in Auftrag gegeben, Modellversuche einiger Städte ausgewertet und Thesen zur Einführung einer Wertstofftonne veröffentlicht.
Im  August dieses Jahres wurde zu einem Bürgerdialog aufgerufen. Aktuell werden die eingegangenen Stellungnahmen ausgewertet. Es wird erwartet, dass über eine Wertstofftonne rund 7 kg verwertbare stoffgleiche Nichtverpackungen pro Bundesbürger und Jahr einer stofflichen Verwertung zugeführt werden können. Auf das Jahr hochgerechnet kommen da im Bundesgebiet rund 570.000 Tonnen Metall- und Kunststoffabfall zusammen. Als stoffgleiche Nichtverpackungen werden vor allem Kunststoffabfälle wie z.B. Spielzeug bezeichnet, die  nach aktuellem Recht nicht in die gelbe Tonne dürften. Dass in Abfällen und nicht mehr genutzten Gebrauchsgegenständen ein wahrer Schatz steckt, zeigt die Althandy-Sammelaktion des Bayerisches Staatsministeriums für Umwelt und Gesundheit. Aus den im Mai und Juni 2012 gesammelten 700.000 Althandys können demnach 17 Kilogramm Silber, 617 Kilogramm Kupfer und 260 Kilogramm Kobalt gewonnen werden.