Bayerische Wirtschaft vertagt Erholung

Der BIHK-Konjunkturindex ist gegenüber Herbst von 107 Punkten auf 98 Punkte zurückgefallen. Im Frühjahr 2020, zum Höhepunkt der ersten Infektionswelle, erreichte der Indikator mit nur 81 Punkten einen deutlich niedrigeren Wert. Beide Teilindikatoren des Index, die Lageurteile und die Geschäftserwartungen, zeichnen dieses Bild: Der Saldo der Geschäftslage liegt aktuell bei + 4 Punkten, nach +9 Punkten im Herbst und -18 Punkten im Frühjahr 2020. Damit sind aktuell sogar etwas mehr Unternehmen mit ihrer aktuellen Geschäftslage zufrieden (32 %) als unzufrieden (28 %). Der Saldo der Geschäftserwartungen dreht gegenüber Herbst von + 5 auf -9 Punkte, nach -20 Punkten im Frühjahr.

Anders als im letzten Frühjahr kann insbesondere die Industrie aktuell ihre wirtschaftliche Aktivität
weitestgehend aufrechterhalten. Auch dürften viele Unternehmen ihre Geschäftsmodelle (verstärkte Online-Absatzkanäle) und Arbeitsabläufe (digitales und mobiles Arbeiten) mittlerweile an die Corona-Herausforderungen angepasst haben. Demgegenüber erleiden allerdings weiterhin jene Unternehmen massive Umsatzeinbußen, die unmittelbar oder mittelbar vom persönlichen Kundenkontakt abhängig und von den Corona-Beschränkungen betroffenen sind.

Solange sich das Infektionsgeschehen nicht auf einem niedrigen Niveau einpendelt, dürfte sich an dieser Spaltung nichts ändern. Es besteht Hoffnung, dass die Erholung der bayerischen Wirtschaft nur vertragt ist. Die hohe Sparquote, der recht stabile Arbeitsmarkt – auch dank Kurzarbeit –, stabile Einkommen und anhaltend niedrige Zinsen bieten eine sehr gute Grundlage, dass neben den Exporten auch die Inlandsnachfrage deutlich steigt. Diese Hoffnung dürfte auch der Grund sein, warum die Unternehmen aktuell ihre Investitions- und Beschäftigungspläne nicht erneut nach unten korrigiert haben.

Damit ein erneutes kräftiges Durchstarten gelingt, sind drei Dinge wirtschaftspolitisch geboten:

  • Es ist absolut im wirtschaftlichen Interesse, dass so bald und so schnell wie möglich weiten Teilen der Bevölkerung ein Impfangebot unterbreitet wird.
  • Die staatlichen Unterstützungsmaßnahmen müssen so schnell wie möglich bei den vom Lockdown stark betroffenen Branchen ankommen und ergänzende steuerliche Maßnahmen, wie ein erweiterter Verlustrücktrag, müssen auf den Weg gebracht werden. Nur so werden die besonders betroffenen Unternehmen nach der Pandemie noch existieren.
  • Das Durchstarten darf nicht durch neue Auflagen oder höhere Belastungen beeinträchtigt werden.