Bayerische Wirtschaft im Abwärtssog

Zu viele Störfaktoren prallen derzeit auf die Unternehmen ein. Im Zentrum steht die Industrie. Der Handelskonflikt zwischen China und den USA, der Brexit und ein rückläufiger Welthandel streuen Sand ins konjunkturelle Getriebe. Hinzu kommen strukturelle Probleme im Fahrzeugbau.
 

Mittlerweile strahlt der Abwärtssog in der Industrie auch auf andere Branchen aus. Davon betroffen sind insbesondere das Verkehrsgewerbe, die Lagerei sowie die Informationswirtschaft. Aber auch das Kreditgewerbe hat seine Bewertungen deutlich reduziert. Auf hohem Niveau bleibt die Bautätigkeit. Doch auch in dieser Branche wird das Fahrwasser rauer: Während der Wohnungsbau weiterhin floriert, spürt der Wirtschaftsbau die schwächere Investitionstätigkeit der Unternehmen. Damit verfestigt sich der Abschwung.
 

All dies hat die Stimmung im Unternehmerlager erneut spürbar eingetrübt. Erstmals seit neun Jahren erreicht der BIHK-Konjunkturindex, der die Lageurteile und die Erwartungen der Unter-nehmen in einem Wert abbildet, nur noch seinen langjährigen Durchschnitt von 113 Punkten. Zwar liegt die Bewertung der Geschäftslage mit einem Saldo von 35 Punkten weiterhin über ihrem Mittel - dies zeigt, dass sich die Wirtschaft nicht in einer scharfen Rezession befindet. Im Frühjahr lag der Saldo jedoch noch 8 Zähler höher. Wie stark sich die Geschäftslage abgekühlt hat, offenbart der Vergleich zum Herbst 2018: Vor einem Jahr lag der Saldo noch bei 53 Punkten. Ein solch starker Rückgang ist Indiz für eine kräftige wirtschaftliche Talfahrt.
 

Mit wenig Optimismus blicken die Unternehmen auch auf die kommenden zwölf Monate: 22 % der Unternehmen rechnen mit einer Eintrübung ihrer Geschäfte, nur noch 17 % mit Wachstum. Per Saldo (-5 Punkte) ist dies der schlechteste Wert seit der Finanzkrise 2008/2009. Eine schnelle Rückkehr zu höheren Wachstumsraten ist damit nicht zu erwarten. Entsprechend zurückhaltend sind die Unternehmen bei Investitionen und Personalplanungen: Nur noch 16 % der Unternehmen möchten ihre Beschäftigtenzahl erhöhen, 18 % werden Stellen reduzieren. Damit läuft der Beschäftigungsaufbau in Bayern aus.